Türkische Beerdigung in der Schweiz: Ablauf, Bräuche und Überführung

18. Oktober 2026

Eine türkische Beerdigung in der Schweiz folgt dem islamischen Ritus: rituelle Waschung (Gasil), Einhüllen in das Leichentuch (Kefen), Totengebet (Cenaze Namazı) und eine möglichst rasche Beisetzung – entweder auf einem muslimischen Grabfeld in der Schweiz oder nach einer Überführung in die Türkei. Dazu kommen Bräuche, die in vielen türkischen Familien gepflegt werden: Trauerbesuche, gemeinsame Koranlesungen und Gedenktage. Hier lesen Sie, wie der Ablauf in der Schweiz aussieht und was Angehörige und Gäste wissen sollten.

Die ersten Stunden nach dem Todesfall

Stirbt ein Familienmitglied zuhause, wird zuerst eine Ärztin oder ein Arzt gerufen, der den Tod feststellt und die ärztliche Todesbescheinigung ausstellt. Im Spital oder Pflegeheim übernimmt das die Einrichtung. Danach melden die Angehörigen den Todesfall dem Zivilstandsamt – diesen Schritt übernehmen wir auf Wunsch für Sie.

In vielen türkischen Familien wird gleichzeitig der Imam der Moschee informiert, mit der die Familie verbunden ist. Er hilft bei der Organisation des Totengebets und weiss, welche Gemeinde die Waschung begleiten kann.

  • Arzt bzw. Spital: Todesbescheinigung
  • Bestatter informieren: Abholung, Kühlung, Formalitäten
  • Imam bzw. Moscheeverein informieren: Totengebet
  • Entscheiden: Beisetzung in der Schweiz oder Überführung in die Türkei

Wie rasch eine muslimische Bestattung in der Schweiz möglich ist, erklären wir im Beitrag Wie schnell kann eine islamische Bestattung in der Schweiz stattfinden?

Gasil und Kefen: Waschung und Leichentuch

Die rituelle Waschung (türkisch gasil, arabisch ghusl) ist ein zentraler Teil jeder islamischen Bestattung. Männer werden von Männern, Frauen von Frauen gewaschen; enge Familienangehörige können auf Wunsch dabei sein. Anschliessend wird die verstorbene Person in das weisse Leichentuch (kefen) gehüllt.

Wir führen die Waschung in unserem eigenen Waschraum durch – mit qualifizierten Männern und Frauen. Mehr dazu: Islamische Totenwaschung und Wie die islamische Totenwaschung abläuft.

Cenaze Namazı: das Totengebet

Das Totengebet (cenaze namazı) wird in der Regel in einer Moschee gesprochen, oft im Anschluss an eines der täglichen Gebete, damit möglichst viele Gläubige teilnehmen können. Es wird im Stehen gebetet, ohne Verbeugung und ohne Niederwerfung. Der Sarg steht dabei vor der Gemeinde.

Nach dem Gebet ist es in türkischen Gemeinden üblich, dass der Imam die Anwesenden fragt, ob sie der verstorbenen Person ihr Einverständnis geben (helallik) – ein Moment, in dem die Gemeinde ihr verzeiht und für sie bittet. Wie das Totengebet im Einzelnen gebetet wird, lesen Sie hier: Wie wird das islamische Totengebet gebetet?

Beisetzung in der Schweiz oder Überführung in die Türkei?

Viele türkische Familien in der Schweiz stehen vor dieser Entscheidung. Beide Wege sind möglich – und beide organisieren wir.

Beisetzung in der Schweiz

In mehreren Schweizer Gemeinden gibt es muslimische Grabfelder, auf denen nach islamischem Ritus beigesetzt werden kann – mit Ausrichtung nach Mekka. Welche Friedhöfe in Frage kommen, hängt vom Wohnort der verstorbenen Person ab; in manchen Fällen braucht es eine Bewilligung der Gemeinde. Wir klären das für Sie. Mehr dazu: Islamische Erdbestattung in der Schweiz.

Überführung in die Türkei

Für die Überführung braucht es unter anderem den Leichenpass, einen verschlossenen Zinksarg und die Abstimmung mit dem Konsulat und der Fluggesellschaft. Viele Familien sind zudem Mitglied eines Bestattungsfonds ihres Moscheevereins, der einen Teil der Kosten übernimmt. Wir übernehmen die Dokumente, den Transport zum Flughafen und die Abstimmung mit den Behörden. Mehr dazu: Überführung eines Leichnams ins In- oder Ausland.

Am Grab

Die verstorbene Person wird auf die rechte Seite gelegt, das Gesicht Richtung Mekka. Die Männer der Familie und der Gemeinde schaufeln oft selbst einen Teil des Grabes zu – eine letzte Geste der Verbundenheit. Danach werden Gebete und Verse aus dem Koran gesprochen. In vielen Gemeinden spricht der Imam am Grab zusätzlich die telkin, eine Erinnerung an das Glaubensbekenntnis.

Nach der Beerdigung: Trauerbesuche und Gedenktage

In den ersten Tagen besuchen Verwandte, Nachbarn und Freunde die Familie (taziye). Sie bringen oft Essen mit, damit die Trauernden nicht kochen müssen. In vielen Familien wird Helva zubereitet und an die Gäste verteilt, und es wird gemeinsam aus dem Koran gelesen.

Verbreitet sind auch Gedenkzusammenkünfte am 7., 40. und 52. Tag nach dem Tod, häufig mit einem Mevlid (Lobgedicht auf den Propheten) oder einer Koranrezitation. Diese Tage sind eine Tradition, keine religiöse Pflicht – mehr dazu im Beitrag Warum trauert eine Muslim 40 Tage?

Was Gäste wissen sollten

  • Kleidung: schlicht und dunkel, Arme und Beine bedeckt. Frauen tragen in der Moschee ein Kopftuch. Vor dem Gebetsraum werden die Schuhe ausgezogen.
  • Beileid: Üblich ist «Başınız sağ olsun» (sinngemäss: «Möge es Ihnen gut gehen») oder «Allah rahmet eylesin» (Gott möge sich ihrer/seiner erbarmen). Ein einfaches «Mein herzliches Beileid» ist genauso willkommen.
  • Blumen: sind in türkisch-muslimischen Familien unüblich. Mehr als Blumen schätzen viele Familien Unterstützung im Alltag oder eine Spende.
  • Mitbringen: Was man zu einer muslimischen Beerdigung mitbringt – und was besser nicht –, lesen Sie hier: Was bringt man zu einer muslimischen Beerdigung mit?

Was kostet eine türkische Beerdigung in der Schweiz?

Die Kosten hängen vor allem davon ab, ob in der Schweiz beigesetzt oder in die Türkei überführt wird, und welche Leistungen ein Bestattungsfonds bereits abdeckt. Wir erstellen Ihnen eine verbindliche Offerte, bevor Kosten entstehen. Einen Überblick finden Sie im Beitrag Was kostet eine islamische Bestattung in der Schweiz?

Häufige Fragen

Wie schnell findet eine türkische Beerdigung statt?

So rasch wie möglich – das ist der islamische Grundsatz. In der Schweiz gelten zusätzlich die Vorschriften der Gemeinden. Wir organisieren alle Schritte parallel, damit keine Zeit verloren geht.

Darf man als Nicht-Muslim am Totengebet teilnehmen?

Ja, als Gast ist man in der Moschee und auf dem Friedhof willkommen. Man steht beim Gebet hinten oder etwas abseits und betet nicht mit, wenn man nicht Muslim ist.

Werden Frauen und Männer getrennt?

Beim Totengebet stehen Männer und Frauen meist getrennt. Bei den Trauerbesuchen zuhause ist das von Familie zu Familie verschieden.

Wer organisiert die Überführung in die Türkei?

Das übernehmen wir: Dokumente, Zinksarg, Konsulat, Flug und Übergabe am Zielort. Ist die Familie Mitglied eines Bestattungsfonds, stimmen wir uns mit diesem ab.

Wir begleiten Sie – rund um die Uhr

Die Islamische Bestattungen AG begleitet türkische und andere muslimische Familien in der ganzen Schweiz – von der Waschung über das Totengebet bis zur Beisetzung oder Überführung. Sie erreichen uns jederzeit unter 079 201 45 85.

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