Rund 6 Prozent der Wohnbevölkerung in der Schweiz gehören laut Bundesamt für Statistik einer islamischen Glaubensgemeinschaft an. Trotzdem wissen viele Gäste nicht genau, welche Regeln bei einer muslimischen Beerdigung gelten. Was ziehe ich an? Darf ich als Frau ans Grab? Was sage ich der Familie?
Dieser Ratgeber gibt Ihnen klare Antworten für die Schweiz:
- die wichtigsten religiösen Regeln und wie sie hier umgesetzt werden
- passende Kleidung für Männer, Frauen und nichtmuslimische Gäste
- was für Frauen gilt und wo die Gemeinschaften unterschiedlich handeln
- das richtige Verhalten am Grab und in der Trauerzeit
Inhalt
- Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
- Kleidung: Was ziehe ich zu einer muslimischen Beerdigung an?
- Frauen bei der muslimischen Beerdigung
- Verhalten beim Totengebet und am Grab
- Besonderheiten in der Schweiz: Beispiel Bern
- Nach der Beerdigung: Trauerzeit und Kondolenz
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen
Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
Jede muslimische Beerdigung folgt vier festen Schritten. Sie gelten für alle Rechtsschulen, auch wenn Details abweichen.
- Rituelle Waschung (Ghusl): Muslime gleichen Geschlechts waschen den Verstorbenen nach festgelegter Reihenfolge. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur islamischen Totenwaschung.
- Leichentuch (Kafan): Danach hüllen sie den Verstorbenen in weisse Tücher. Männer erhalten drei Tücher, Frauen fünf.
- Totengebet (Salat al-Janaza): Die Gemeinschaft betet stehend vor dem Verstorbenen. Das Gebet hat keine Verbeugung und keine Niederwerfung. Den genauen Ablauf erklärt unser Artikel zum islamischen Totengebet.
- Rasche Beisetzung: Der Verstorbene liegt im Grab auf der rechten Seite, das Gesicht nach Mekka gerichtet.
In der Schweiz treffen diese Regeln auf das kantonale Bestattungsrecht. Zwei Punkte sind deshalb anders als in vielen Herkunftsländern:
- Wartefrist: Eine Bestattung ist in der Regel frühestens 48 Stunden nach dem Tod möglich. Warum das so ist, erklärt unser Beitrag Wie schnell muss eine islamische Bestattung erfolgen?
- Sarg: Die Beisetzung nur im Leichentuch ist in der Schweiz meist nicht erlaubt. Details finden Sie im Artikel Kann man in der Schweiz ohne Sarg beerdigt werden?
Den vollständigen Ablauf vom Todesfall bis zum Grab beschreibt unser Ratgeber Wie läuft eine islamische Bestattung ab?
Kleidung: Was ziehe ich zu einer muslimischen Beerdigung an?
Für die Kleidung bei einer muslimischen Beerdigung gibt es keine Trauerfarbe. Schwarz ist nicht vorgeschrieben, Weiss ist ebenso üblich. Entscheidend sind drei Dinge: schlicht, sauber und bedeckend.
Kleidung für Männer
- lange Hose und Hemd oder ein einfacher Anzug
- keine kurzen Hosen, keine auffälligen Aufdrucke
- saubere Socken: In der Moschee ziehen Sie die Schuhe aus
Kleidung für Frauen
- Arme und Beine bedeckt, also lange Ärmel und ein langer Rock oder eine weite Hose
- keine engen oder durchsichtigen Stoffe
- ein Kopftuch für die Moschee und den Friedhof, auch wenn Sie sonst keines tragen
- wenig Schmuck und kein starkes Parfüm
Kleidung für nichtmuslimische Gäste
Als nichtmuslimischer Gast tragen Sie zur muslimischen Beerdigung dieselbe schlichte Kleidung. Niemand erwartet von Ihnen religiöse Kleidungsstücke. Ein Schal, den Sie als Frau über den Kopf legen können, zeigt jedoch Respekt und wird geschätzt.
Praktischer Tipp für die Schweiz: Die Beisetzung findet im Freien statt, oft auf Rasen oder Kies. Wählen Sie feste, flache Schuhe und eine dunkle Jacke für Regen und Kälte.
Frauen bei der muslimischen Beerdigung
Die Frage nach den Regeln für Frauen bei einer islamischen Beerdigung hat keine einheitliche Antwort. Die Praxis hängt von der Rechtsschule, der Herkunftskultur und der Gemeinschaft ab.
Totengebet: Das Totengebet ist eine Pflicht der Gemeinschaft. Islamische Gelehrte erlauben Frauen grundsätzlich, daran teilzunehmen. In vielen Schweizer Moscheen beten Frauen in einem eigenen Bereich oder hinter den Männern mit.
Beisetzung am Grab
Hier gehen die Gebräuche am weitesten auseinander:
- In manchen Gemeinschaften begleiten nur Männer den Verstorbenen zum Grab.
- In anderen Familien stehen Frauen am Grab, oft etwas abseits.
- Stirbt eine Frau, legen in der Regel nahe männliche Angehörige sie ins Grab.
Grabbesuch: Auch beim späteren Grabbesuch gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen. Manche Gelehrte raten Frauen davon ab, andere erlauben ihn ausdrücklich.
Unser Rat: Fragen Sie vor der Beerdigung die Familie oder den Imam der Gemeinschaft. So vermeiden Sie Unsicherheit am Tag selbst. Wir klären diese Fragen bei jeder Bestattung im Voraus mit den Angehörigen.
Verhalten beim Totengebet und am Grab
Eine muslimische Beerdigung ist ruhig und schlicht. Laute Klage, Musik und Blumenschmuck auf dem Sarg sind unüblich. Diese Punkte helfen Ihnen als Gast:
Beim Totengebet
- Nichtmuslime dürfen anwesend sein. Sie stellen sich hinter die betenden Muslime.
- Sie müssen nicht mitbeten. Stehen Sie still und respektvoll.
- Fotografieren und Filmen sind unangebracht.
Am Grab
- Männer tragen den Sarg oft abwechselnd ein Stück. Das gilt als gute Tat.
- Nach der Beisetzung werfen die Anwesenden häufig drei Handvoll Erde in das Grab.
- Danach sprechen Imam und Gemeinschaft Bittgebete für den Verstorbenen.
Was Sie mitbringen: Blumen und Kerzen gehören nicht zur islamischen Tradition. Was angemessen ist, lesen Sie im Beitrag Was bringt man zu einer muslimischen Beerdigung mit?
Besonderheiten in der Schweiz: Beispiel Bern
Für eine muslimische Beerdigung bieten heute viele Gemeinden eigene Grabfelder an. Eine Übersicht finden Sie in unserem Beitrag zu den muslimischen Friedhöfen in der Schweiz. Das Beispiel Bern zeigt, welche Regeln dort typischerweise gelten.
Die Stadt Bern hat das Grabfeld für Muslime auf dem Bremgartenfriedhof im November 1999 eröffnet. Laut Merkblatt der Stadt Bern gilt:
- Es handelt sich um ein Sargreihengrab. Die Gräber sind nach Mekka ausgerichtet.
- Das Grabfeld steht Muslimen aller Glaubensrichtungen offen.
- Auf dem Grabfeld wird keine Asche beigesetzt.
- Ein Grabstein braucht eine Bewilligung von Stadtgrün Bern. Für arabische Inschriften legen Sie dem Gesuch eine deutsche Übersetzung bei.
- Bei einer Erdbestattung setzen Sie den Grabstein frühestens nach acht Monaten, wenn sich die Erde gefestigt hat.
Mehr zur Bestattung in der Hauptstadt lesen Sie auf unserer Seite Islamische Beerdigung in Bern.
Nach der Beerdigung: Trauerzeit und Kondolenz
Nach der muslimischen Beerdigung beginnt die Trauerzeit. Der Islam unterscheidet dabei klar zwischen Angehörigen und Ehefrau:
- Angehörige trauern in der Regel drei Tage. In dieser Zeit kommen Verwandte, Freunde und Nachbarn zum Kondolenzbesuch.
- Witwen halten nach Koran, Sure 2, Vers 234, eine Wartezeit (Idda) von vier Monaten und zehn Tagen ein.
Viele Familien laden ausserdem zu Gedenktagen ein, etwa am 40. Tag. Den Hintergrund erklärt unser Beitrag Warum trauern Muslime 40 Tage?
Bei einem Kondolenzbesuch zählen wenige, ehrliche Worte. Eine verbreitete Formel lautet «Inna lillahi wa inna ilayhi raji’un» – «Wir gehören Gott, und zu Ihm kehren wir zurück». Weitere Beispiele finden Sie im Artikel Was soll ich sagen, wenn ein Muslim gestorben ist?
Fazit
Eine muslimische Beerdigung folgt klaren Regeln, lässt aber Raum für die Gebräuche jeder Familie. Die wichtigsten Punkte:
- Waschung, Leichentuch, Totengebet und rasche Beisetzung bilden den Kern. In der Schweiz gelten zusätzlich die Wartefrist und meist die Sargpflicht.
- Gäste tragen schlichte, bedeckende Kleidung; Frauen bringen ein Kopftuch mit.
- Für Frauen gibt es keine einheitliche Regel. Die Familie oder der Imam gibt Auskunft.
- Nichtmuslime sind willkommen, wenn sie sich ruhig und respektvoll verhalten.
Die Islamische Bestattungen AG begleitet Familien in der ganzen Schweiz, mit Schwerpunkt Bern, Solothurn, Aargau und Freiburg. Wir organisieren Waschung, Totengebet und Beisetzung nach islamischem Ritus und sind rund um die Uhr erreichbar. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – wir sind für Sie da.
Häufig gestellte Fragen
Was zieht man zu einer muslimischen Beerdigung an?
Schlichte, bedeckende Kleidung in gedeckten Farben. Frauen tragen lange Ärmel, einen langen Rock oder eine weite Hose und auf dem Friedhof ein Kopftuch. Schwarz ist nicht vorgeschrieben.
Dürfen Frauen an einer muslimischen Beerdigung teilnehmen?
Das hängt von der Rechtsschule und der Gemeinschaft ab. Viele Gemeinschaften laden Frauen zum Totengebet ein, bei der Beisetzung am Grab gehen die Gebräuche auseinander. Fragen Sie die Familie oder den Imam.
Dürfen Nichtmuslime zu einer muslimischen Beerdigung kommen?
Ja. Nichtmuslime sind beim Totengebet und am Grab willkommen. Sie stellen sich beim Gebet hinter die betenden Muslime und verhalten sich still.
Wie schnell findet eine muslimische Beerdigung in der Schweiz statt?
Der Islam verlangt eine rasche Beisetzung. In der Schweiz ist eine Bestattung in der Regel frühestens 48 Stunden nach dem Tod möglich; die Einzelheiten regeln die Kantone.
Wie lange dauert die Trauerzeit im Islam?
Für Angehörige gilt meist eine Trauerzeit von drei Tagen. Eine Witwe hält nach Koran 2:234 eine Wartezeit von vier Monaten und zehn Tagen ein.
